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Reinraum-Mopp: Einweg vs. Mehrweg

Eine Gegenüberstellung beider Konzepte

Einweg oder Mehrweg? Mittelweg? Bei der Implementierung von Reinigungs- oder Desinfektionsprozessen in den Reinraumbetrieb sehen sich Reinraum-Betreiber immer wieder mit der Frage konfrontiert, welches Moppkonzept zur Anwendung kommen soll. Eine entsprechende Antwort hängt von zahlreichen Faktoren ab, deren Bewertung den Betreibern in Kooperation des Lieferanten obliegt. Dennoch kristallisieren sich in der Praxis immer wieder vier maßgeblich entscheidende Faktoren für eine Entscheidung heraus: Leistung, Ökologie, Preis und zu guter Letzt Sicherheit.

#1 Leistung – Flächenleistung von Moppbezügen

Ein Mopp muss seine Leistung auf die Fläche bringen, sprich beim Reinigen abtragen und aufnehmen, beim Desinfizieren Mikroorganismen abtöten oder inaktiv machen und die Kontaminationen zuverlässig abtragen. Beides schaffen Moppbezüge nur bei gleichmäßiger und vollständiger Benetzung der Oberflächen mit Reinigungs- oder Desinfektionsflotte. Einwegbezüge schaffen alleine schon auf Grund ihrer Verarbeitung hier selten mehr als 10 Quadratmeter. Dank ihrer gewebten Herstellungsart, wodurch die Oberfläche der Fasern, die Flüssigkeit aufnehmen, deutlich größer ist als bei Einwegbezügen, kann bei einem Mehrwegbezug im Bereich ISO 7/8 problemlos von 20-25 m² ausgegangen werden. In GMP-Bereichen sind 15 – 20m² realistisch. Zudem können in Mehrwegbezüge Hinterfütterungen oder zusätzliche Wasserspeicher integriert werden, um die Quadratmeterleistung ein weiteres Mal zu steigern. In der Herstellungspraxis ist es auch kein Problem in Einwegbezüge extra Speicher einzunähen. Dies hat aber einen höheren Preis zur Folge.

#2 Ökologie – Greener cleaning mit Mehrwegkonzepten

Think green! Diese Philosophie kommt bei immer mehr Unternehmen auf die Agenda und es werden Entscheidungen hinsichtlich des Umweltbewusstseins getroffen. Gute Sache, die auch bei textilen Verbrauchsmaterialien verstärkt ins Blickfeld rückt. Hinterlassen aber Einweg- oder Mehrweg-Moppsysteme den kleineren ökologischen Fußabdruck? Oft gebauchte Argumente gegen Mehrwegkonzepte sind, dass diese vor jedem neuen Zyklus gewaschen, wieder aufbereitet und verpackt werden müssen, was erhebliche Energie-, Wasser- und Materialkosten pro Vorgang nach sich zieht. Außerdem seien die Transportwege von und zu den Reinraumwäschereien sehr lang.

Einwegmoppbezüge müssen vor dem einmaligen Gebrauch aber auch gewaschen, aufbereitet und entsprechend des Prozesses verpackt werden. Zudem kommen sehr viele Einwegprodukte aus außereuropäischen Ländern, sprich auch deren Transportwege sind weit, hochwertige Mehrwegbezüge stammen nicht selten aus deutscher Produktion. Mehrwegmopp werden in der Regel zusammen mit allen anderen Textilien wie Hauben und Anzügen von und zu den Reinraumwäschereien transportiert, weshalb hier keine extra Kosten für den Transport anfallen. Die regelmäßigen Aufwendungen für die Aufbereitung sind nicht zu leugnen, dennoch müssen auch Einwegbezüge wieder aufbereitet werden, z.B. wenn sie ausgeschleust werden, um in Grau- oder Außenbereichen noch einmal zum Einsatz zu kommen. Zudem erreichen Mehrwegmopp doppelte Quadratmeterleistungen, weshalb ich nur die Hälfte an Bezügen benötige.

Gerade hinsichtlich des gesamten Ressourceneinsatzes ergibt sich bei genauerer Betrachtung ein deutliches Übergewicht zugunsten des Mehrwegmopp. Als Berechnungsgrundlage dient in diesem Beispiel ein 100 Quadratmeter großer, nicht steriler Reinraum der ISO Klasse 7/8.

Ressourceneinsatz

Moppgewicht in g

110

50

Mehrwegkonzept
(Mopp ist für 100 Reinigungszyklen einsetzbar)

Einwegkonzept
(Mopp ist für 1 Reinigungszyklus einsetzbar)

Anzahl Mopp

bei 1 Reinigungszyklus

5 Stück

10 Stück

bei 100 Reinigungszyklen                                            

5 Stück (danach Austausch nötig)

1.000 Stück

in … g Material

bei 1 Reinigungszyklus

5,5 g

500 g

bei 100 Reinigungszyklen

550 g

50.000 g

Verhältnis des Ressourceneinsatzes

1

:

91


Betrachtet man die gesamte Durchlaufmenge an Einmalmopps und die dabei anfallende Abfallmenge, kann bei Einwegmoppkonzepten nicht von einem umweltschonenderen Konzept gesprochen werden.

#3 Preis – Cheaper cleaning mit Mehrwegkonzepten

Klar, die Kosten für Reinraum-Betriebsmittel und Verbrauchsmaterialien unter Kontrolle zu halten sind ein zentrales Argument, gerade bei so häufig zum Einsatz kommenden Produkten wie Moppbezügen. Welches Konzept ist nun kostengünstiger? Dazu haben wir einmal eine Beispielrechnung aufgestellt. Basis der Kostenberechnung ist die Größe der zu wischenden Fläche, aus der sich die Kosten pro Quadratmeter ergeben. Beispielhaft soll zum besseren Verständnis eine Kostenbetrachtung durchgeführt werden. Dabei handelt es sich bei den Preisen um symbolische Beispiele, da diese je nach Anforderungen des Reinraums und der jeweiligen Reinraumklasse, je nach betrieblichen Vorgaben und Abläufen, Konzepten und Mengen kundenspezifisch vereinbart werden. Die Verhältnisse zwischen den Konzepten entsprechen jedoch recht genau den marktüblichen Bedingungen.

Ein Moppwechsel nach maximal 10m² ist bei einem Einmalmopp-Bezug richtig und sinnvoll. Bei einem Mehrwegbezug im Bereich ISO 7/8 kann problemlos von 20-25 m² ausgegangen werden, in GMP-Bereichen sind 15 – 20m² realistisch. Damit kann annäherungsweise ausgesagt werden, dass die Menge an benötigten Moppbezügen beim Mehrwegkonzept nur die Hälfte gegenüber der Einweglösung beträgt. Da die Bezüge gewaschen werden müssen, ist aber natürlich eine größere Beschaffungsmenge nötig um den Kreislauf zu gewährleisten. Marktüblich ist hier ein Faktor von 2,3.

Die Kosten der Aufbereitung in einer Reinraumwäscherei inklusive der Abschreibung der Moppbezüge (Leasingkonzept) sind mit 50 bis 80 Cent pro Stück anzusetzen. Der Preis für einen Einwegmopp kann mit 2 – 5€ (je nach Qualität und Menge) angesetzt werden, der Mittelwert wäre ca. 3,50 Euro.

Der Einfachheit halber wird mit den Mittelwerten der beiden Preisspannen weitergerechnet. Somit ergibt sich für einen fiktiven Reinraum von 100 Quadratmetern eines GMP C/D-Bereiches:

Wirtschaftlichkeit & Qualität

Mehrwegkonzept
(Mopp ist für 100 Reinigungszyklen einsetzbar)

Einwegkonzept
(Mopp ist für 1 Reinigungszyklus einsetzbar)

Quadratmeterleistung Mopp

20-25 m2

max. 10 m2

Bedarfsmenge / Kosten

 

 bei 1 Reinigungszyklus

5 Stück x 2,3 (Umlauffaktor) x 0,65 (Aufbereitung und Verschleiß) = 7,48 € pro Reinigungszyklus

10 Stück x 3,5 € = 35 € pro Reinigungszyklus (ohne Transport-, Lager- und Entsorgungskosten)

 bei 100 Reinigungszyklen

748 €

3.500,00 €

Kostenverhältnis

1

:

4,7


Die Berechnung zeigt, dass in diesem Beispiel das Einwegkonzept um einen Faktor von über 4,5  teurer ist. Selbst wenn die Einmalbezüge noch einmal deutlich günstiger sein sollten, die Qualität sei aber zu hinterfragen, bleibt in dieser Betrachtung eine sehr deutliche Differenz zugunsten des Mehrwegkonzeptes. Bei einer Einkaufssumme von auch nur 1,50 lägen die täglichen Kosten immer noch beim Doppelten. Je größer ein Reinraum ist, desto mehr wirtschaftliche Vorteile weisen Mehrwegkonzepte auf.

#4 Sicherheit – Safer cleaning mit Mehrwegkonzepten

Höchste Anforderungen an Produktsicherheit und Produktqualität erfordern besonders in Reinräumen definierte Produktionsumgebungen und spezielle Anforderungen an die dort eingesetzten Betriebsmittel und Verbrauchsmaterialien. Werden Betriebsmittel und Verbrauchsmaterialien mehrfach eingesetzt und dazu wiederaufbereitet, ist der Erhalt der Qualität und Funktionalität dieser Mittel und Materialien über den gesamten Nutzungszeitraum sicherzustellen. Bei Einwegmoppbezügen, die frisch aufbereitet und verpackt vom Hersteller geliefert werden, sind turnusmäßig Qualität und Sterilität der Chargen zu prüfen, speziell wenn die Aufbereitungsprozesse nicht garantiert nachzuverfolgen sind. Mehrwegbezüge müssen zwar stets neu aufbereitet werden, die validen Prozesse der renommierten Reinraumwäschereien können aber die Sicherheit der Aufbereitung gewährleisten und dokumentieren. Und die Mehrwegbezüge selbst? Verlieren diese bei vielen Wasch- und ggf. Sterilisationszyklen an Performance und ist deren Aufbereitung überhaupt reinheitstauglich?

Dazu hat die Pfennig Reinigungstechnik GmbH in Kooperation des itv eine Langzeitstudie durchgeführt (Link zum Sonderdruck), die eindeutig belegt,

  • dass keine Erhöhung der Partikelabgabe bei 50 bzw. 100 Zyklen je nach Aufbereitung vorliegt
  • dass eine Sterilisation zu höheren Belastung und damit schnellerer Alterung der Wischbezüge führt,
  • dass keine Veränderung über den Lebenszyklus bei der Partikelabgabe beim Wischprozess ermittelt wurde und
  • dass Restpartikel, die nach der Aufbereitung noch im Wischbezug enthalten sind, nicht an die Oberfläche abgegeben werden.


Auch hinsichtlich der Reinigungseffizienz konnte in der Studie eine verbesserte Reinigungswirkung bei zunehmender Zyklenzahl und eine verbesserte Reinigungseffizienz bei sterilisierten Bezügen festgestellt werden. Auch hat sich das Reibungsverhalten des Bezuges über den geprüften Lebenszyklus nicht verändert.

#5 Was nun - Mehrweg oder Einweg?

Beide Konzepte haben ihre Berechtigung und letzten Endes muss jeder Reinraumbetreiber seinen Prozess und alle vorliegenden Umstände selbst prüfen. Im Grunde aber lässt sich bilanzieren, dass Mehrwegkonzepte auch bei 50 sterilen Aufbereitungszyklen (oder bei 100 ohne Sterilisation) nichts an ihrer Sicherheit und ihrer Qualität verlieren, was einen nachweisbaren Qualitätserhalt – auch durch die validierbaren Verfahren der Wäschereien – von mindestens 50 oder eben 100 Zyklen zur Folge hat.

Mehrwegbezüge bieten somit definitiv die höhere Sicherheit, da der Anwender von der Produktion über alle Prozessketten hinweg eine nachweisbare und garantierte Qualität erhält. Das wäre auch bei Einwegbezügen genauso denkbar, wenn die Produktion und die Aufbereitung in Produktionsstätten und Wäschereien stattfindet, die eine transparente Darlegung aller Schritte ermöglichen würde und die mit denselben, industriell erwünschten Qualitätsstandards produzieren – wobei das die Kosten erhöht.

Einweg-Produkte machen dann Sinn, je kleiner der Raum ist, bei Räumen, in denen das Textil auf Grund des dort hergestellten Produktes anschließend entsorgt werden muss (Zytostatika), wenn tatsächlich keine geeignete Reinraumwäscherei in der Nähe ist und auch als Backup-Lösung. Immer ist dabei jedoch die Qualität der eingesetzten Produkte zu prüfen, sicherzustellen und zu dokumentieren.

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